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Redakteur
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Unglaublich: Der PS Audio Sprout100 passt auf ein kleines DIN A5-Blatt, wiegt nur etwas mehr als ein Kilo – und ist trotzdem ein ausgewachsener Vollverstärker mit 100 Watt Leistung! Das kompakte Kraftwerk erweist sich zudem als ziemlich komplettes System: Es punktet mit einer Phono-Vorstufe, einem Kopfhörer-Verstärker, einem DAC für HiRes und einem Bluetooth-Streamer, anschlussseitig wird dabei die Digital-Fraktion durch USB und Toslink bedient, die Analog-Fraktion bekommt neben dem Vinyleingang noch einen Line-In und Line-Out geboten. Darf es noch mehr? Ja! Wir haben entdeckt, was der schick-schlanke Verstärker noch alles kann.

Schlank und schick: Der PS Audio Sprout100 punktet optisch mit einem hochwertigen Aluminiumgehäuse.

Keep it simple – das ist in Kurzform das Credo, mit dem PS Audio vor einigen Jahren den Sprout entwickelt hat: Der Verstärker verkörpere das Ideal einer einfach-eleganten Möglichkeit der heimischen Musikwiedergabe. Schon damals war selbstverständlich, dass in der schönen Schale ein klangstarker Kern sitzt, schließlich gilt die HiFi- und High End-Schmiede seit ihrer Gründung vor 45 Jahren als innovativer Hort amerikanischer Audiophilie. Da der kleine Sprout zudem für die meisten Anwendungsfälle gewappnet war, wurde er zum Erfolgsmodell. Da man aber auch sehr Gutes immer noch besser machen kann, kommt nun mit dem PS Audio Sprout100 der Nachfolger. Wir sind gespannt, wie der „Spross“ sich entwickelt hat.

Die Holzdecke aus echtem Walnuss verleiht dem Sprout100 seine besondere Optik.

Fernab des Üblichen: Holz und Metall

Rein äußerlich sind die Veränderungen gering – zum Glück, denn so glänzt auch der neue Sprout100 mit gelungener Gestaltung und hochwertiger Haptik. Dafür sorgt die Kombination aus Metall und Holz: Das massive, mehrteilige Gehäuse besteht aus millimeterdickem, sandgestrahltem Aluminium, der Korpus ist oben und unten durch eine umlaufende Fasung optisch veredelt. Den reizvollen Kontrast bildet die Decke mit einer eingefassten Platte aus echtem Walnuss. Das verlangt förmlich danach, mit der Hand darüberzustreichen, nun kann man die schöne Rauigkeit der Materialien auch spüren. Die Alu-Holz-Anmutung hebt den PS Audio Sprout100 ebenso von der Konkurrenz ab wie seine Dimensionierung: Mit den Maßen 5 mal 16 mal 21 Zentimeter ist der Verstärker schlank und klein, eher tief denn breit – und damit denkbar fern vom üblichen HiFi-Format.

Die Fasung des Metallgehäuses gibt dem Design den letzten Schliff.

Elementare Bedienung

Die optische Schnörkellosigkeit des PS Audio Sprout100 setzt sich bei der Reduziertheit der Frontelemente fort. Links entdecken wir die fast bündig eingelassene Buchse für den Kopfhörer. Hier passen große 6,35-Millimeter-Klinkenstecker. Damit aber auch kleine 3,5-Milimter-Stecker Anschluss finden, ist dem Amp ein Adapter als Zubehör beigelegt. Rechts auf der Gerätefront finden wir ein rastendes, aber endlos drehbares Rad für die Einstellung der Lautstärke. Es kann allerdings auch gedrückt werden: Durch ein kurzes Pressen schaltet man den Verstärker an und aus, diese Standby-Lösung ersetzt den rückseitigen Wippschalter des alten Sprout. Ein langer Druck hingegen aktiviert den Bass Boost, auf diese einzige Klangveränderungsmöglichkeit des Verstärkers gehen wir später ein. Rechts über dem Dreh- und Drückgeber sitzt eine klitzekleine LED, die in das Gehäuse eingesenkt ist. Sie zeigt durch ihr Leuchtverhalten den Status des PS Audio Sprout100 an: Sie strahlt blau, wenn der Verstärker aktiviert ist, sie leuchtet dunkelblau, wenn die Lautstärke auf Null vermindert wird, sie wechselt auf Weiß, wenn der Bass Boost eingeschaltet wird, sie leuchtet rot, wenn der Schutzmechanismus eingreift – und sie quittiert jede Pegelveränderung durch eine kurze Unterbrechung ihres Leuchtens. Dass diese Lautstärke auch aus der Ferne verstellt werden kann, deutet der Infrarot-Sensor rechts unterhalb des Stellrades an. Nun zum zweiten markanten Bedienelement: Links neben dem Lautstärkeregler sitzt ein optisch identischer, ebenfalls aus Aluminium gefertigter Drehschalter für die Quellenwahl. Er lässt sich mit satter und sauberer Rastung in folgende Positionen bringen: Vinyl, Analog, Digital und Bluetooth. Dass die Nennung von nur vier Wahlmöglichkeiten ein Understatement ist, zeigt sich, wenn wir den PS Audio Sprout100 umdrehen.

Die Rückseite des PS Audio Sprout100 bietet die digitalen und analogen Anschlüsse. Der Phono-Zugang ist mit einer Erdungsklemme ausgestattet.

Rückseite mit Zusatz-Qualitäten

Das Heck des Verstärkers offenbart, wenn man den Vorgänger kennt, Überraschungen und Veränderungen. Die Netzbuchse ist nun rechts platziert, hier bietet PS Audio ein nicht direkt erkennbares Zusatzfeature: Das dahinter sitzende neu entwickelte Netzteil hat eine „Auto-Detect“-Funktion, es funktioniert von 100 bis 240 Volt sowie 50 bis 60 Hertz und passt sich in diesem Rahmen an die jeweilige Netzspannung des Landes an. Das macht den handlichen Verstärker auch in punkto Strom mobil und flexibel für den Einsatz auf der ganzen Welt. Sitzt die Netzbuchse beim PS Audio Sprout100 nun rechts, so sind die Lautsprecheranschlüsse dafür nach links gewandert. Überraschung: Aus Klemmen sind Buchsen geworden, der Amp bietet nun vier Anschlüsse für Bananenstecker. Wer Kabel mit Gabelschuhen oder blanke Litze verwendet, findet im Zubehör einen Satz vergoldeter und verschraubbarer Bananenstecker für die leichte Umrüstung. Die Analogsektion startet mit dem Plattenspieleranschluss, er ist für Vinyldreher mit Moving Magnet-System ausgelegt. Sehr schön: Zur Vermeidung von Brummgeräuschen gibt’s eine Erdungsklemme. Das war auch schon bei der alten Version so. Neu ist hingegen dies: Der Line-In und der Line-Out sind nicht mehr mit Stereo-Miniklinken-Buchsen realisiert, sondern mit zwei gescheiten, stabileren Cinch-Buchsen. So bietet der Verstärker einen vollwertigen Stereo-Ausgang, um das Musiksignal an eine weitere Komponente weiterleiten zu können – vielleicht sogar noch zum Record-Eingang des guten alten Tapedecks. Völlig neu ist beim Sprout der zweite Signalausgang: Es ist ein variabler Mono-Sub Out für den Anschluss eines Subwoofers. Er kann im Zusammenspiel mit zwei kleinen Stereo-Boxen für ein starkes Bass-Fundament sorgen. Nun zur Digital-Sektion. Hier gibt es bei der S/PDIF-Schnittstelle eine Wechsel: Statt des koaxialen elektrischen Zugangs finden wir nun einen optischen Toslink-Eingang. Unberührt von Veränderungen ist scheinbar der USB-B-Port. Allerdings: Der Schein trügt, denn der Sprout100 ist digital wie analog komplett auf Vordermann gebracht worden.

Die beiden Stellräder sind aus Metall. Durch die Reduktion auf zwei Bedienelemente ahnt man kaum, wie vielseitig dieser Verstärker ist.

Alles neu: die digitalen Schnittstellen samt Streaming

Bleiben wir bei der USB-Schnittstelle. Hier glänzt der PS Audio Sprout100 mit einem neuen Digital-Analog-Konverter, er ermöglicht HiRes mit noch höherer Auflösung. Jetzt ist der Sprout100 in der Lage, PCM-Files bis 384 Kilohertz/24 Bit zu verarbeiten, außerdem beherrscht er auch das andere grundlegende HiRes Format DSD. Hier wandelt er bis DSD128 – also mit einer gegenüber der CD 128-fach höheren Abtastrate. Dabei setzt der DAC auf das DoP-Verfahren, es bedeutet „DSD over PCM“ und bezeichnet einen pfiffigen Kniff: DSD-Daten werden in einen PCM-Container verpackt, damit sie ohne rechenintensive Umwandlungen durch die Audio-Schaltkreise transportiert werden können. An die Typ-B-Buchse des USB-Ports lässt sich ein feststehender Rechner oder ein Laptop anschließen, so kann Musik von der Festplatte, über iTunes oder von einem Musikdienst eingespeist werden. Mac-Computer oder Rechner mit Windows 10 sind sofort startklar, auf Rechnern mit Windows 8.1 oder einer noch älteren Version des Fenster-Betriebssystems muss erst ein Treiber installiert werden. PS Audio stellt ihn auf seiner Homepage bereit (hier geht es zum Treiber-Download). Der kabelgebundene digitale Alternativ-Anschluss ist Toslink. Über diese optische S/PDIF-Schnittstelle ist eine PCM-Qualität bis 96 Kilohertz/24 Bit möglich, hier können CD-Spieler oder -Laufwerke, Spielkonsolen oder andere digitale Komponenten angeschlossen werden. Achtung: Sobald der vorrangige USB-Anschluss belegt wird, ist die Toslink-Schnittstelle außer Betrieb. Vom neuen DAC des Sprout100 profitiert auch Bluetooth, die kabellose Streaming-Möglichkeit des Verstärkers. Hier staunen wir über die Angaben: Bluetooth 2.0, kein aptX? Die Qualität des Blauzahn-Modus soll aber durch einen nicht weniger erstaunlichen Kniff eine dramatische Steigerung erfahren: Die empfangenen Daten durchlaufen laut Entwickler und PS Audio-Chef Scott McGowan nicht das gesamte Bluetooth-Modul, um erst dann weiter bearbeitet zu werden. Stattdessen werden sie schon frühzeitig abgegriffen und dem Premium-DAC des Sprout100 zugeführt. Dank dieser Methode, sagt McGowan, werde die Klangqualität auf ein Level gehoben, das sie für den High End-Status qualifiziere. Wir sind gespannt …

Mit seinem Kopfhörer-Verstärker ermöglicht der Sprout100 auch den Musikgenuss am späten Abend.

Frische Phono-Stufe, aktualisierter Kopfhörer-Verstärker

Auch bei der analogen Signalbearbeitung hat PS Audio beim Sprout100 so ziemlich alles neu gemacht. Das beginnt beim Kopfhörerverstärker. Er besitzt eine geringe Ausgangsimpedanz, was klangliche Vorteile hat, er bietet den doppelten Output der alten Version und reagiert mit einer hundertfach schnelleren Anstiegsrate auf das Eingangsignal. Dadurch soll der Amp in der Lage sein, wirklich jeden erdenklichen Kopfhörer absolut impulstreu anzutreiben. Auch der Phono-Verstärker hat eine Überarbeitung erfahren. Die Kurzfassung: Er funktioniert prima mit allen Plattenspielern, die ein Moving Magnet-Tonabnehmersystem haben. Dies ist der am weitesten verbreitete Abtatster-Typ. Die Langfassung in drei Sätzen: Der Amp besitzt den für MM-Systeme typischen Eingangswiderstand von 47 Kiloohm, die Eingangskapazität wurde von 200 auf 100 Pikofarad gesenkt – auch das ist von Vorteil. Der Eingang ist für MM-Systeme mit einer Ausgangsleistung von drei bis zehn Millivolt geeignet, PS Audio empfiehlt 5 Millivolt. Auch das sind völlig gängige Werte, die meisten MM-System liegen zwischen drei und sechs Millivolt.

Dezente Info: Die kleine LED über dem rechten Drehgeber gibt über alle Betriebszustände Auskunft – in diesem Fall über den deaktivierten Bass-Boost.

Neuer Power-Amp mit doppelter Leistung

Nun zur Kernkompetenz des PS Audio Sprout100: In seinem Zentrum arbeitet ein komplett neues Kraftwerk. Hier kommt ein Class-D Verstärker zum Einsatz. Diese Amps sind kompakt und effizient, sie erzielen einen hohen Wirkungsgrad und damit eine große Leistungsfähigkeit. So bringt es der PS Audio Sprout100 – nomen est omen – auf satte 100 Watt an Vier-Ohm-Lautsprechern. Er verdoppelt damit sein Leistungsvermögen gegenüber dem Vorgänger. Der alte Sprout war mit der Verstärker-Einheit eines anderen Herstellers ausgestattet, beim neuen Sprout100 kommt nun ein Modul von ICEpower zum Zuge. Deren Amplifikationslösungen werden von diversen hochrenommierten Herstellern eingesetzt. Der Wechsel soll neben der Leistungssteigerung auch geringere Verzerrungen bringen – und außerdem einen größeren Abstand des Musiksignals zum Rauschpegel. Auf eine Klangreglung verzichtet der PS Audio Sprout100, allerdings gibt es doch ein Feature für die Soundveränderung: den Bass Boost. In der früheren Version war diese Bassbetonung nicht abschaltbar, das hat zu reichlich Kritik geführt. Deshalb lässt sich der Bass Boost jetzt mit einem langen Druck auf den Lautstärkeregler aktivieren und deaktivieren. Wird der Subwoofer-Ausgang des Sprout100 benutzt, ist der Boost automatisch ausgeschaltet. Sehr gut!

Kaum höher als ein LP-Stapel, trotzdem eine wunderbare Vinyl-Wiedergabe: Der Sprout100 bietet allen Plattenspielern mit Moving Magnet-System Anschluss.

Fernbedienung

Die letzte Neuerung betrifft den Bedienkomfort: Zum Verstärker gibt es nun auch eine Infrarot-Fernbedienung – und die verblüfft uns: Der schlanke Riegel liegt schwer in der Hand. Kein Wunder, denn er besteht aus einem Stück gebürstetem Aluminium, nur für das Tastenfeld und die nötige Elektronik ist ein Freiraum aus dem Vollmetall gefräst. Mit diesem hochwertigen Befehlsgeber können wir über vier Tasten, die einen schön definierten Druckpunkt haben, den Verstärker an/aus sowie stumm schalten und die Lautstärke erhöhen oder verringern. Die Quelle hingegen ist nur am PS Audio Sprout100 selbst veränderbar. Wir verstehen das als kleines Fitness-Programm für die audiophile Couchkartoffel. Dann beginnen wir mal mit dem Workout.

Aus dem Vollen: Die edle Fernbedienung besteht aus einem einzigen Stück Aluminium – mit Ausnahme des Tastenfelds mit der darunter eingelassenen Elektronik.

Aufstellen und Anschließen

Aufstellen und Anschließen
Hörspaß ohne den HiFi-Ärger, den manch komplizierte Komponente mit sich bringt – dieses Konzept macht den Einsatz des PS Audio Sprout100 einfach. Plug and Play gilt ja schon für den Stromanschluss, auch das Anklemmen der Quellen sowie der Lautsprecher geht ruck-zuck, deshalb sind wir nach nicht mal einer Minute startbereit. Schon kurze Zeit nach dem Einschalten ist klar: In diesem Kraftwerk wird Leistung umgesetzt. Bereits im Leerlauf, also eingeschaltet, aber ohne Fütterung mit Musik, wird der Verstärker mehr als handwarm. Die Lüftungsschlitze in den Flanken und in der Bodenplatte haben also einen Sinn, und es empfiehlt sich, diesem Verstärker zu jeder Seite ein wenig Platz zu lassen. Gen Boden sorgen vier weiche Gummifüße für die nötige Distanz zum Untergrund, sie bürgen zudem für den sicheren und oberflächenschonenden Stand des Geräts und besorgen die Absorption von Schwingungen. Die Vermeidung von Vibrationen fördert die Performance der Audio-Elektronik.

Die Lüftungsschlitze an beiden Seiten und im Gehäuseboden versorgen den Amp mit kühler Luft.

Der PS Audio Sprout100 in der Praxis

Fangen wir beim Hörtest mit Bluetooth an. Das Koppeln geht total leicht: einfach am Smartphone Bluetooth aktivieren, sofort wird uns der Sprout100 angezeigt, nun auf dem Smartphone dieses Gerät antippen – und schon steht die Verbindung. Hält sie auch, was PS Audio verspricht? Wir senden zum Test von unserem Smartphone LG V30 den Track „Dusty Groove“, live eingespielt von der Deep Funk-Band The New Mastersounds. Das PCM-File hat die HiRes-Qualität 192 kHz/24 Bit – und es klingt über die Bluetooth-Schnittstelle richtig, richtig gut. Unglaublich! Wir haben das Stück auch auf dem Laptop, um den Track alternativ per USB zuspielen zu können. Bei einem solchen Bluetooth/USB-Vergleich sollte man auf ein ausgewogenes Pegelverhältnis achten, bei Bluetooth muss die Smartphone-Wiedergabe im höheren Level-Bereich stattfinden, sonst haut es einen beim Umschalten auf USB lautstärkemäßig um. Der Sprout100 macht seiner Bezeichnung nämlich nicht nur dem Namen nach Ehre, er treibt unsere Canton Vento 890.2 souverän an. Erste Erkenntnis: Der Amp ist ein amtliches Kleinkraftwerk, wir erreichen Pegel, die wir beim normalen Musikhören nie und nimmer fahren würden.

Mit Audirvana spielen wir die Musik vom Laptop zu. Bei den Einstellungen zeigt der audiophile Player prompt an, welche HiRes-Qualität der hier als Audiogerät ausgewählte Sprout100 bietet: bei PCM geht maximal 384 Kilohertz/24 Bit.

Beeindruckende Bluetooth-Wiedergabe

Zurück zum Klang: Der Unterschied zwischen der Bluetooth- und der USB-Wiedergabe ist überraschend gering, obwohl hier ein älterer Bluetooth-Standard zum Zuge kommt und auch auf den Codec aptX verzichtet wird. Das hätten wir nicht für möglich gehalten! Beim Hin- und Herschalten zeigt der PS Audio Sprout100 auf beiden Wegen seinen Charakter. Er ist tonal eher schlank, offen und hell, so legt er wunderbar die Feinheiten und Details der Aufnahme frei: Wir hören kleinste Griffgeräusche auf den Saiteninstrumenten, wir können selbst die Beckenarbeit des deutlich hinten postierten Schlagzeugers präzise mitverfolgen. Die Darstellung hat auch eine schöne Tiefe, auf der imaginären Bühne sind die Musiker des mit Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug besetzte Quartetts prima zu lokalisieren. So gelingt eine gute Abbildung des livehaftigen Bühnengeschehens. Im Bass ist der Sprout straff, bei niedrigen Lautstärken und tieftonarmen Tracks ist die Bass Boost-Aktivierung durchaus eine gute Option – verständlich, dass PS Audio dieses Feature beibehalten hat. Aber es ist ebenso verständlich, dass man seine Musik ohne diese Bass-Kräftigung genießen möchte. Wer etwas lauter und zudem mit Boxen hört, die nicht unter Tiefton-Anämie leiden, wird ohne den Boost ein definierteres Ergebnis erzielen – nicht nur digital, auch über den analogen Weg.

Kabellos streamt der Sprout100 über Bluetooth – in hervorragender Qualität.

Auch analog ruhig und rauscharm

Hier haben wir den Line-In mit dem Creek Evolution 50 CD als Zuspieler getestet und den Phono-Eingang mit dem Elac Miracord 90 Anniversary. Der PS Audio Sprout100 bleibt sich auch anlog treu, er verstärkt flink und feinauflösend, er arbeitet dabei sehr nebengeräuscharm. Das macht sich insbesondere bei episch-sphärischer Musik bezahlt: Die elegische Elektro-Pop-Nummer „Desert Island“ von Nanna Øland Fabricius, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Oh Land“, entführt uns in einen herrlich klaren Klangkosmos. Sphärensounds vermitteln uns den Eindruck unendlicher Weite Dank der Rausch-Absens und der wunderbaren Ruhe in der Wiedergabe. Diese Ruhe ist und besonders bei der Vinyl-Wiedergabe positiv aufgefallen, hier spielt der Sprout100 bei aller Agilität sehr entspannt. Das Timing stimmt, das Schallplattenhören wird so zu einem echten Genuss. Wie klingt’s nun über den Kopfhörer? Erst einmal leise – denn beim Einstecken als auch nachher beim Ausstecken reduziert der Sprout100 automatisch die Lautstärke. Das ist clever, so werden unangenehme Pegelsprünge vermieden. Über unseren Beyerdynamic DT 1990 Pro besitzt der Sound ein schönes Volumen, der Bass bleibt auch hier eher schlank, ist aber keinesfalls unterrepräsentiert. Wir erleben mit den Kopfhörermuscheln erneut ein Klangbild mit großer Klarheit und Offenheit, hier zeigt der Sprout100 seine Agilität und Anstrengungslosigkeit in der Wiedergabe am beeindruckendsten: Beim Live-Konzert von The New Mastersounds klingt die Musik, als wäre sie den Instrumentalisten ganz leicht von der Hand gegangen, unbeschwert, mit viel Spaß am Spielen. So sollte Musik klingen.

Macht sich auch in Kombination gut: Hier ist der PS Audio Sprout100 mit seinem Vinyl-Spielpartner zu sehen, dem Elac Miracord 90 Anniversary.

Fazit

Der PS Audio Sprout100 erweist sich als kompaktes Mikro-HiFi-System für (fast) alle Fälle: Der 100-Watt-Verstärker ist mit seiner Holz/Metall-Optik ein schickes Klangmöbel, der Amp präsentiert sich trotz seiner schlanken Maße als klang- und wattstark – und darüber hinaus bietet diese völlig einfach zu bedienende Zwei-Knöpfe-Komponente eine erstaunliche Anschluss-Bandbreite: Analog präsentiert der Amp neben einem Line-In einen Phono-Verstärker, digital hat er USB und Toslink für HiRes-Streaming in petto. Kabellos geht’s per Bluetooth – und hier verblüfft der Sprout100 mit ausgezeichneter Klangqualität. Seinen feinauflösenden, agilen und straffen Klangcharakter kann man nicht nur über ein Paar Lautsprecherboxen genießen, die der Verstärker souverän antreibt, sondern auch per Kopfhörer, wo die Klarheit, Leichtigkeit und Rauscharmut der Wiedergabe besonders positiv auffallen. Damit zeigt der PS Audio Sprout100, wie einfach, kompakt, klang- und formschön ein Musiksystem sein kann – und zu welchem Preis eine ausgezeichnete Wiedergabe möglich ist.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Tielen

Gesamtnote: 1+
Klasse: Mittelkasse
Preis-/Leistung: hervorragend

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181023.PS Audio-Testsiegel

Technische Daten

Modell:PS Audio
Sprout100
Produktkategorie:Vollverstärker/Bluetooth-Streamer
Preis:720,00 Euro
Garantie:- 2 Jahre
- 3 Jahre bei Registrierung
Ausführungen:Silber
Vertrieb:HiFi 2 die 4, Leinzell
+49 7175 90 90 32
www.hifi2die4.de
Abmessungen (HxBxT):44,5 x 158 x 209 mm
Gewicht:1,3 kg
Eingänge (analog):1 x Phono MM (Cinch)
1 x Line unsymmetrisch (Cinch)
Eingänge/Schnittstellen (digital):1 x Bluetooth 2.0
1 x USB Typ B
1 x optisch (Toslink, SPDIF)
Ausgänge (analog):1 x Kopfhörer unsymmetrisch (Klinke, 6,35 mm)
1 x Line analog (Cinch)
1 x Subwoofer (Cinch)
1 x Lautsprecher (Banana)
Leistung:2 x 100 W (4 Ohm) / 2 x 50 W (8 Ohm) (Herstellerangaben)
Ausgangsleistung Kopfhörer-Verstärker:- 32 Ohm: 500 mW
- 300 Ohm: 125 mW
Maximale Samplingraten/
Auflösungen:
- USB: PCM 348 kHz/24 bit, DSD128 (DoP)
- Toslink: PCM 96 kHz/24 bit
Frequenzgang:20 Hz – 20 kHz
(Herstellerangaben)
Lieferumfang:- PS Audio Sprout100
- Fernbedienung
- 4 vergoldete Lautsprecher-Bananenstecker
- Adapter Miniklinke (3,5 mm)/großeKlinke (6,35 mm)
- Netzkabel (1,7 m)
- Bedienungsanleitung
Besonderes:- tolles Design mit Metall-Holz-Optik
- kraftvoller Verstärker trotz geringer Maße
- exzellente Bluetooth-Wiedergabe
- per USB auch DSD-Files abspielbar
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1+
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1+
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistunghervorragend
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